Meine Perspektive: Krebs & Corona

Meine persönliche Perspektive auf die Corona-Krise als unheilbare Krebskranke und damit in der Risikogruppe bei einer COVID19-Infektion:

In den letzten Wochen wurde ich häufig gefragt wie es mir denn so geht und ob ich als Krebskranke keine Panik und Angst empfinde …
… oder ob mir alles sch***egal ist, weil ich ja sowieso gehen muss.

Achtung es wird lang! Also nur soviel schon vorne weg:
Weder die kopflose Panik-Klopapier-Horten & Co.KG – noch die verantwortungslose Corona-Ansteckungs-Party Fraktion konnten mich für sich gewinnen.


HappyPo
(Die Popo-Dusche) hält einsam die Stellung


Zur Panik-Fraktion:

Ich habe einfach kein Verständnis mehr für diese Art von Panik!
Im Vergleich zu den Krisen die Schwerkranke Menschen durchstehen ist die Corona-Krise eine Light-Version, eine Art „Übungsplatz für Kinder“.

Ständige Unsicherheit wie es weitergeht, ungewisse Zukunft…
Lieber gesunder Otto-Normal-Verbraucher, willkommen in meiner Welt.

Ich mag normalerweise keine Statistiken und Prognosen bemühen, jeder Fall ist individuell und sollte auch so behandelt werden.
Doch ich muss es leider tun, um die Verhältnismäßigkeit der Krise aufzuzeigen …

Seit Beginn des Jahres 2020 gibt es weltweit über eine Million Krebstote zu beklagen (von Verkehrs- und Hungertoten möchte ich hier garnicht schreiben).
Die Toten werden hier nicht im Life-Ticker gezählt.
Und ich bin froh darüber!
Denn mich die ganze Zeit mit der Tödlichkeit meiner Krankheit auseinanderzusetzen würde mich lähmen und handlungsunfähig machen.

Meine Chance dieses Jahr an Krebs zu sterben ist immer noch 100.000fach höher als an Corona.

Meine Prognose im Vergleich zu COVID-19 ist fatal …

80% der Corona-Fälle verlaufen mild und regenerieren vollständig.
95% der metastasierten Darmkrebskranken überleben keine 5 Jahre und wenn dann nur mit einschneidenden, höchst lebensbedrohlichen Mitteln wie Chemo & OPs.

Ich verstehe Angst.

Sie ist seit 2 1/2 Jahren, seit meiner Diagnose „metastasierter Darmkrebs“, mein ständiger Begleiter geworden.

Es ereignete sich ein gesundheitlicher SuperGAU nach dem anderen und ich musste schwere Entscheidungen treffen – oft zwischen „Pest“ oder „Cholera“.

Natürlich hatte das Auswirkungen auf alle Bereiche meines Lebens – persönlich, beruflich, finanziell und auch sozial.

Soziale Isolation und „Quarantäne“ ist Krebskranken allein schon während der Chemotherapie bekannt, bei der jeder stinknormale Schnupfen tödlich enden kann.

Trotzdem hilft mir Panik bei wichtigen Entscheidungen nicht weiter und Angst ist bekanntlich ein schlechter Ratgeber.

Es hilft alles nicht, ich muss mich immer wieder mit meiner Angst auseinandersetzen.

Das bedeutet vor allem ihr auf den Grund zu gehen …

Ich bin mittlerweile davon überzeugt das jede Angst auf die Urangst des Menschen, die Todesangst, zurückzuführen ist.
Also setzte ich mich immer wieder mit der Angst vor meinem Tod auseinander … und auch wenn das extrem beängstigend ist – Es hilft!!

Es hilft mir das Leben aus einer anderen Perspektive zu betrachten, zu erkennen was und wer mir wirklich wichtig ist.

Es hilft mir die Tatsache zu akzeptieren, dass mein Leben als Mensch ein Anfang und ein Ende hat.
Das Leben voll und ganz zu leben und auch zu genießen und keine faulen Kompromisse einzugehen.

Ich lasse mir das Leben und die Freude daran von meiner Krankheit nicht schon vor dem Tod nehmen.

Wenn es mir möglich ist, TUE ich was ich liebe.

Jeder Tag an dem ich die Augen wieder aufschlage, der schmerzfrei verläuft ist ein Hauptgewinn.
Dann heißt es für mich mal wieder: „Stirb an einem anderen Tag“.

Und die Krise (persönlich oder gesellschaftlich) bedeutet auch das Menschen ihr wahres Gesicht zeigen.

Das ist nicht immer schön und manchmal sehr schmerzhaft.

Es gibt Menschen die mir das Blaue vom Himmel versprochen haben, versprochen haben da zu sein und mich dann im entscheidenen Moment wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen haben.

Oder auch Menschen die ihre Hilfe an Bedingungen knüpfen, um mich zu manipulieren und zu kontrollieren.

Oder auch Menschen (auch Ärzte), die mich aufgeben, für die ich, aufgrund meiner Diagnose, schon so gut wie tot bin.

Doch dann gibt es die Anderen, die wie aus dem Nichts auftauchen, von denen ich es garnicht erwartet habe, dass sie mich unterstützen wollen.

Die an mich glauben.

Die einfach helfen und das bedingungslos ohne Forderungen für ihre Hilfe zu stellen.

Die es aushalten mich bald verlieren zu können und trotzdem, oder gerade deswegen, bei mir sein wollen – und mich paradoxerweise nicht aufgeben und daran glauben, dass ich weiter lebe …

Das hat mich immer wieder überrascht und gerührt.

Und Hoffnung gegeben, dass ich nicht alleine bin und es Menschen gibt, die mich so wie ich bin, auch todkrank, annehmen und lieben.

Vielleicht ist das wichtig für die Menschen, die jetzt so in Panik und Angst erstarren…
zu erkennen das sie nicht allein sind, es immer Menschen gibt die helfen wollen und können.
Nachbarn, Eltern, Verwandte, Kinder – alle können sich gegenseitig helfen und füreinander da sein.

Nun zur vergnügungssüchtigen Corona-Party-Sch***-Egal-Partei:

Als ich vor 3 Jahren noch scheinbar kerngesund war konnte ich mir auch nicht vorstellen, was es heißt auf einer Intensivstation zu liegen und vollständig abhängig vom Klinikpersonal und Intensivmedizin zu sein.

Ich möchte keine weitere Angst oder Panik schüren … deswegen halte ich mich mit den Erzählungen meiner Erfahrungen zurück.

Das Gesundheitssystem was ich kennengelernt habe ist schon längst am Limit.Schon überfordert genug mit den bestehenden Krankheiten.

Das konnte ich in den vergangenen Jahren am eigenen Leib erfahren.
Und ich habe unzählige Ärztinnen und Ärzte, PflegerInnnen und Stationen kennengelernt.

Die allermeisten Menschen die ich kennengelernt habe machen einen verdammt guten Job und wollen wirklich helfen.

Ich bewundere die Empathie, die sie noch für den unfreundlichsten Patienten aufbringen können.

Doch auch der beste Arzt oder fürsorglichste Pfleger ist nur ein Mensch und ist nach drei aufeinanderfolgenden Nachtschichten nicht mehr voll zurechnungsfähig und macht Fehler.


Krebs & die Corona-Krise

Ikterus Teil 2:
Ende Januar 2020 hing mein Leben wieder am seidenen Faden.
Ich hatte 41 Grad Fieber und lag auf der Überwachungsstation… das hatte aber nichts mit COVID-19 und auch nur indirekt mit Krebs zu tun.
Ich verdanke es einer mitfühlenden Ärztin, die mich überzeugte nicht aufzugeben, dass ich hier relativ gut wiederhergestellt berichten kann.
Mehr dazu schreibe ich vielleicht in einem weiteren Beitrag.


Eine kurze, noch recht harmlose Geschichte:

Nachtschicht in einer chirurgischen Station einer Uniklinik.
Ein Pfleger für 22 Betten!
Viele Patienten haben künstliche Darmausgänge oder können sich aufgrund der Verletzungen kaum bewegen.

Nacheinander machen 3 verschiedene Patienten ins Bett.
In meinem Zimmer eine ältere Frau mit 2 künstlichen Darmausgängen an Dick- und Dünndarm und zusätzlicher Inkontinenz …
Ein Beutel platzt und die Windel ist voll.
Eine für mich nicht gerade angenehme Situation.
Der von mir gerufene Pfleger muss sich von einer anderen Station Hilfe anfordern, da er die Frau (relativ schwer) nicht alleine versorgen kann.

Die ganze Nacht ist er damit beschäftigt Sch**** zu beseitigen, ein Knochenjob bei zum Teil bettlägerigen, bewegungseingeschränkten Patienten.
Trotzdem bleibt er mir und den anderen Patienten gegenüber freundlich und fürsorglich.

Ich hoffe das die Corona-Krise dafür sorgt, dass mehr gesunde Menschen erkennen, wie wichtig ein funktionierendes Gesundheitssystem ist.

Das Bewusstsein das jeder Mensch mal darauf angewiesen sein kann.

Das die Wertschätzung dieser versorgenden Berufe sich auch in der Bezahlung und humanen Arbeitsbedingungen ausdrückt!

Das es nicht Helden- und Tugendhaft ist krank zur Arbeit zu kommen. Und das es wichtig ist Erkältungen vollständig auszukurieren und nicht zu verschleppen.
Denn man sieht es den Menschen, die man eventuell ansteckt, nicht unbedingt an, ob sie gerade eine schwere (Chemo)Therapie durchmachen oder ein geschwächtes Immunsystem haben.

Und ja, die Lage ist ernst! Das also nicht erst seit COVID-19!

Ich habe hier leider keine Zukunftsperspektive mehr. Dafür aber meine Tochter und andere mir nahestehende Menschen.

Für diese Menschen und auch für den Rest wünsche ich mir, dass auch der letzte Mensch aufwacht und erkennt das wir alle in einem Boot sitzen.

Dieses Boot heißt Planet Erde.

Das die Menschheit aufhört an dem dünnen Ast zu sägen auf dem sie sitzt. Aufhört sich gegenseitig zu bekämpfen, sondern kooperiert, sich gegenseitig hilft und an einem Strang zieht!

Dieser dünne Ast sind die für uns perfekten, aber auch fragilen Umweltbedingungen auf der Erde, von denen wir ohne jeden Zweifel abhängig sind.

Der Planet kommt übrigens prima ohne uns klar – wie jetzt schon in der Krise zu sehen:
Flüsse in Venedig und der Luftraum über China klaren auf.

Die Erde wird uns überleben und auch nach uns wieder Leben hervorbringen …

Its your, its our choice!!


Die Schoki im Biomarkt scheint auch überlebenswichtig!
Von meiner Lieblingsschoki – dunkle Nougat, vegan und 75% – gibts aber noch genug…
Juchu!

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