Spieglein, Spieglein an der Wand: Mirror Work

Mirror Work FrogIn einem Stern-TV Talk über den Film Embrace – in dem es um Schönheitsideale, Schlankheitswahn und Bodyshaming geht – sagte Nora Tschirner, Mitproduzentin des Films, folgendes:

“Ich habe meine Spiegel verbannt – in meiner Wohnung hängen keine Spiegel mehr.”

Das ist eine der Antworten auf die Frage, was Frauen tun können, um dem leistungsbezogenen Schönheitsideal etwas entgegenzusetzen.
Sicher sinnvoll, wenn sich dadurch eine Entspannung des eigenen Bildes herstellen lässt. Das dies eine nachhaltige Verbesserung des Selbstbildes nach sich zieht glaube ich jedoch nicht. Mein Körper und mein Gesicht gehören nun mal zu mir – auch wenn ich es nicht sehe – und wenn ich mich nicht mehr sehen will, lehne ich mich selbst ab.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sehr positiv und hilfreich sein kann sich mit dem eigenen Bild – sei es Spiegelbild, Fotos oder bewegte Bilder (Kameraaufnahmen) – auseinanderzusetzen. Durch das Buch von Teal Swan “Befreie Dich durch Selbstliebe” kam ich das erste Mal mit dem Thema “Mirror Work” in Kontakt.
Mirror Work bedeutet soviel wie die Arbeit am Selbstbild vor dem Spiegel, das eigene Spiegelbild wieder annehmen zu lernen – im Deutschen habe ich bisher keine kurze, stimmige Übersetzung dazu gefunden.
Diese “Spiegel-Arbeit” dreht sich also um das eigene äußere Erscheinungsbild und wie ich mich mit diesem – mit mir – wieder anfreunden kann.

Mirror Work (Selbstliebe vor dem Spiegel)

Wie funktioniert denn nun dieses “Mirror Work”?

Nehme Dir täglich ein paar Minuten Zeit dafür. Suche Dir einen Ort und einen Spiegel, wo Du Ruhe hast und ungestört mit Dir allein sein kannst. Am besten bist Du möglichst “pur”, also ungeschminkt und gestylt – wenn Du Dich traust und Deinen gesamten Körper sehen möchtest, dann sei nackt. Du kannst auch langsam steigern und von bekleidet zu leicht bekleidet vorgehen.

Schaue Dir in die Augen und sei wohlwollend. Lenke Deinen Blick auf Bereiche die Du an Dir magst. Sage Dir selbst, was Du schön findest. Es können ganz kleine Details sein, wie die Form Deiner Lippen, Deine Augenfarbe oder Dein Lächeln sein. Du kannst Dir auch sagen wie: “Die Form meiner Nase hat nicht jeder, ich bin dadurch einzigartig und unverwechselbar.

Einschulungsportrait 1983

1983 – Einschulungsportrait:
Ein Bild von mir, dem ich einfach nichts Böses sagen kann

Sollte es Dir sehr schwer fallen positive Gedanken oder Wörter für Dich und Deinen Körper zu finden, kannst Du einen Trick anwenden, der es Dir erleichtern wird.
Verwende ein Portrait aus Deiner Kindheit und klebe es mit Tesa an den Spiegel. Überlege Dir, was Du dem Kind von damals Ermutigendes oder Liebevolles sagen könntest.
Was magst Du an dem Gesicht, wie fühlt es sich an, das Kind zu loben?
Wie würde es sich anfühlen es zu beschimpfen und über seine Unzulänglichkeiten (Sommersprossen, Pausbäckchen etc.) zu lästern?
Oft hat das die Wirkung, dass Du es nicht übers Herz bringst, Dir als Kind solche Gemeinheiten zu sagen … warum dann als Erwachsene?

Wenn Du eigene Kinder hast, kannst Du auch deren Bilder an den Spiegel heften und ihnen sagen, was Du an ihnen liebst – Dein Spiegelbild hört das auf jeden Fall!

Praktiziere diese Art der Selbstliebe so oft und regelmäßig wie es sich für Dich gut anfühlt. Du bestimmst das Tempo. Nach einiger Zeit wirst Du merken, dass es Dir immer leichter fällt.

Irgendwann lächelst Du in den Spiegel und siehst das Gesicht Deiner besten Freundin 😉

Fotos

Was Du wirklich verbannen kannst, sind Bilder und Fotos von Dir, auf denen Du Dich häßlich findest oder die Dich unvorteilhaft wirken lassen.
Sammle Bilder von Dir, auf denen Du Dich schön, attraktiv findest und die Du gerne anschaust. Auf denen Du Dich selbst wiederfindest. Leg Dir am besten einen Ordner dafür an. Auch wenn es zunächst nur wenig Fotos sind, so kannst Du immer wieder neue dazu fügen und ihn wachsen lassen.

Schau Dir die Bilder an, wenn Du einen schlechten Tag hast und Du Dich häßlich fühlst. Und dann schau sie Dir an, wenn Du Dich gut fühlst.
Du wirst merken, dass sich die Wahrnehmung Deiner Bilder verändert, je nachdem in welcher Stimmungslage Du Dich gerade befindest.

Bewegte Bilder (V-Logs)

Ich habe mir vor ein paar Jahren angewöhnt ein Tagebuch in visueller Form zu führen – das heißt ich nehme mich selbst mit der eingebauten Kamera meines Rechners auf (VideoLogs). So kann ich schnell und unkompliziert meine Gefühle, Erfahrungen und Erlebnisse festhalten und wiedergeben.
Anfangs fühlte es sich komisch an, ich hatte Hemmungen offen und frei zu sprechen. Die Aufnahmen blieben relativ kurz. Doch je länger ich es fort führte, desto vertrauter wurde mir mein Bild und desto mehr und freier konnte ich sprechen. Mittlerweile habe ich mich so daran gewöhnt, dass mir meine “Gespräche” sogar fehlen, wenn ich längere Zeit keine Vlogs mehr machen konnte.

Dadurch, dass ich mich bei meinen Aufnahmen selbst sehen kann, fühlt es sich wie ein Gespräch mit einer anderen Person an. Mein (Kamera)Bild ist so immer mehr zu einer Vertrauten geworden, die ich sehr schätze.
Schaue ich in den Spiegel, sehe ich da wieder meine “beste Freundin” – das ist ein sehr schönes Gefühl!

Durch ein visuelles Tagebuch bekomme ich im Rückblick viel mehr Informationen über die Ereignisse die mich bewegt haben. Ich kann in den Videos sehen, wie ich meine Gefühle geäußert habe, wie ich ausgesehen habe und wie ich mich über die Zeit entwickelt und verändert habe.
Diese Videos mit der Öffentlichkeit zu teilen wäre sozusagen die Krönung meiner Selbstliebe-Arbeit – so weit bin ich allerdings noch nicht und auch ich arbeite weiter daran mich und meinen Körper immer mehr anzunehmen. 🙂

 

Bildnachweis Titelbild “Frosch vor dem Spiegel”: pixabay | Alexas Fotos

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