Ungeschminkt sein

Protrait ungesschminktIn diesem Artikel geht es um das Gesicht. Und damit auch um den Körper, denn der Kopf und somit das Gesicht gehören natürlich auch zu Deinem Körper.

Den eigenen Körper anzunehmen bedeutet auch, dass eigene Gesicht ungeschminkt anzunehmen, zu mögen und vielleicht sogar zu lieben. Nur so kann ich mich in mir wohlFühlen.

Gefällt Dir Dein ungeschminktes Gesicht, wenn Du es im Spiegel oder auf Fotos siehst?

Findest Du es sogar schön so wie es ist?

Seit ich 14/15 Jahre alt bin habe ich angefangen mich zu schminken – nichts ungewöhnliches – die meisten meiner Freundinnen haben das auch gemacht.

Zu Partys oder Fasching habe ich Schminken benutzt um in eine andere Rolle zu schlüpfen – dass war natürlich sehr faszinierend. Wie wirke ich z. B. mit schwarzen Haaren und schwarzen Augenbrauen?

Es hat natürlich sehr viel Spaß gemacht, zu experimentieren und die Wirkung verschiedener Schminktechniken zu testen. Ich bin in der Großstadt aufgewachsen und dort wollte ich die Möglichkeiten (Clubs, Bars) früh ausprobieren. Nach dem Alter oder Ausweis gefragt zu werden war peinlich, also musste ich mit hohen Schuhen, gewagten Outfit und “älter” machenden Make-Up nachhelfen.
Jede Menge Tipps & Tricks gab/gibt es dazu in Frauen- und Mädchenzeitschriften.

Links: Babyface mit 12 (1989)
Rechts: Geschminkt mit 15 (1992)

Meine Gedanken zu meinem Gesicht, waren folgende:
Ich finde mein Gesicht ok, aber…
– meine Augenbrauen sind zu hell (“Ich habe keine”)
– meine Wimpern sind zu hell (“Ich habe keine”)
– mein Gesicht hat keine Konturen
– ich habe ein “Babyface”
– ich sehe zu jung aus
– ich bin zu blaß
– ich habe “häßliche” Sommersprossen
etc…

 

Die Vorteile des Schminkens lauten zum Beispiel so:

  • Die “Stärken” des Gesichts betonen, z. B. schöne Augen
  • Die “Schwächen” des Gesichts kaschieren, z. B. eine große Nase
  • Besser ankommen bei Jungs/Männern
  • Besser ankommen im Freundeskreis
  • Als “Hübsch/Schön” wahr genommen werden
  • Unreinheiten, Pickel, Leberflecken und Muttermale verschwinden lassen
  • Mehr Ausdruck und Reife

Irgendwann war es für mich Routine mich morgens zu schminken. Auch wenn ich mich  eher dezent und natürlich schminkte, fühlte ich mich ungeschminkt nicht gesellschaftsfähig.

Ich hielt mein Geicht für nicht ausdrucksstark genug, und zog täglich die Augenbrauen nach, tuschte die Wimpern und tönte und puderte meine unregelmäßige, blaße Gesichtshaut.

In vielen Berufen wird vorrausgesetzt, dass eine Frau durch ein “makelloses” Gesicht und Outfit repräsentativ und seriös wirkt. Ein makeloses Gesicht bedeutet bei einer Frau auch immer Make-Up.

Make-up

Repräsentativ geschminkt, ohne Augenringe und Unreinheiten, für die Webseite meines damaligen Arbeitgebers (28 Jahre / 2005)

Eine kleine Frau (ca. 1,50 m) berichtete mir, dass sie als Elternsprecherin in der Schule ihrer Kinder zu allen Terminen immer tip-top gestylt, mit hohen Schuhen und perfekt geschminkt auftauchen musste, um überhaupt wahrgenommen zu werden.

Scheinbar harmlose Aussagen wie: “Die Kleine da, die ist ja süß”
oder
“Die ist ja niedlich” können durchaus verletzend sein.

Sich ernst genommen fühlen ist für jede Frau wichtig. Nicht als erwachsene Frau gesehen zu werden, nicht für “Voll” genommen zu werden ist frustrierend. Dies habe ich dann durch Make-up oder auch mit zusätzlicher Körperfülle versucht auszugleichen.

Es gibt also sehr viele Gründe sich als Frau zu schminken.

Warum ich mich heute kaum noch schminke

Mittlerweile schminke ich mich nur noch selten. Manchmal macht es natürlich auch Spaß, dass Gesicht individuell zu betonen und mal anders auszusehen.

Doch ich möchte immer weniger eine “Maske” aufsetzen. Ohne Schminke bin ich nicht perfekt und vielleicht auch verletzlicher, aber auch offener und sympathischer für Andere – ich kann einfach ich selbst sein und mich darüber freuen, von anderen Menschen so wahr genommen zu werden wie ich bin.
Und ich fühle mich trotzdem schön und freue mich so auch viel mehr über Komplimente.

Ich bin froh heute sagen zu können dass mein Gesicht einzigartig ist und es nicht “verschönert” werden muss.

Aus meiner heutigen Perspektive finde ich es sogar langweilig, dass bestimmte Trends, unterschiedliche Gesichter gleich wirken lassen – z. B. die gleich gezupfte Form von Augenbrauen.
Viele Gesichter wirken dann wie eine Maske oder Uniform und der Ausdruck der Persönlichkeit verschwindet dahinter.
Jedes Gesicht ist anders und dadurch entsteht interessante Vielfalt.
Die Schwächen die andere in ihren Gesichtern sehen, z. B. starke Augenbrauen, wirken auf mich – die keine (sichtbaren) hat – schön.

Sich ungeschminkt schön zu finden kann ein langsamer Prozess sein

Ungeschminkt

Ungeschminkt und unbearbeitet.
40 Jahre (2017)

Ich war es gewohnt, vor dem Spiegel zu stehen und jede Kleinigkeit, jeden Pickel, jede Unreinheit zu entdecken und möglichst gut zu kaschieren. Das erste was mir an meinem morgendlichen Gesicht aufgefallen ist, waren sämtliche Schwächen.

Würdest Du eine Person die Du gern hast oder liebst so begrüßen?

Warum nicht das eigene Spiegelbild freundlich begrüßen?

Was sagst Du einer Person, die Du liebst, wenn Du ihr begegnest?

Wie wäre es mit: “Schön Dich zu sehen!”
Oder: “Deine Augen strahlen heute so schön!”

Du brauchst Dich selbst nicht anlügen, wenn Du Augenringe hast, hast Du eben welche.
Richte Deine Aufmerksamkeit einfach auf die Eigenschaften, die Dir an Dir selbst am besten gefallen.

Es geht darum mit kleinen Schritten in die ungeschminkte Zukunft zu gehen, denn auch kleine Schritte können irgendwann große Veränderungen bewirken.

Einen großen Vorteil hat für mich das Älterwerden. Durch erste Fältchen und graue Haare hält mich endlich niemand mehr für ein kleines (Schul)Mädchen. 😉

 

 

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