Das Opfer-Thema

Das Opfer-ThemaOpfer sein. Das will keiner.
Ich habe noch niemanden getroffen, der das wollte.
Und trotzdem ist es ein Thema, dass so viele betrifft. Mich eingeschlossen.

Am liebsten würde ich die Situationen in denen ich mich als Opfer gefühlt habe ganz weit von mir schieben.
Besser es ist nicht passiert, als dass ich zugebe, dass mir Unrecht widerfahren ist.

Aber was ist, wenn ich es als Thema bezeichne. Denn ein Thema zu haben ist etwas anderes als ein Opfer zu sein. Ein Opfer zu sein ist absolut. Und es stimmt nicht.
Ich bin soviel mehr als das.
Und ja. Ich kann auch Täter sein.
Niemand hat immer nur eine Rolle. Jeder kann auch Opfer und Täter sein – denn selbst die Kleinste und Schwächste Person kann Macht besitzen und diese dann auch missbrauchen.

Doch mich damit “anzufreunden”, dass bei mir die Tendenz zum Thema “Opfer sein” überwiegt, ist für mich fast schon befreiend. So kann ich damit umgehen ohne mich selbst klein zu machen und zu verachten.

Ich habe festgestellt, dass es bei diesem Thema Gedanken-Muster, Gefühle und Verhaltensweisen gibt, die sich wiederholen.
Die gibt es beim Opfer wie natürlich auch beim Täter. Denn ohne Opfer gibt es keinen Täter und ohne Täter kein Opfer.

Mir klar zu machen, welche Muster mich hilflos und in der Opferrolle halten, hilft mir auch, mich wieder daraus zu befreien. Denn dann weiß ich welche Gedanken und Verhaltensweisen ich ändern kann.

Das Opfer-Thema

  • Ich spüre meinen Körper nicht
  • Ich spüre meine Grenzen nicht
  • Ich spüre nicht, wenn jemand meine Grenzen verletzt
  • Ich bin mit meinen Gefühlen & Gedanken immer erst beim Gegenüber statt erst bei mir
  • Ich habe immer Schuld
  • Ich habe es nicht anders verdient / Ich habe nichts besseres verdient
  • Ich verdiene keinen Respekt und Würdigung
  • Grenzen zu verteidigen, machtvoll und wütend zu sein ist schlecht
  • Ich bin hilflos
  • Ich bin allein
  • Ich muss alleine mit allem fertig werden
  • Mich versteht niemand und keiner kann mir helfen
  • Ich bin machtlos
  • Meine Fehler sind unverzeihlich
  • Ich bin selbst schuld, wenn sich jemand grenzverletzend mir gegenüber verhält

Wenn Du einen oder mehr dieser Gedanken oder Gefühle kennst, dann suche Dir eine Aussage, die Dich am meisten anspricht und arbeite damit.

Stimmt diese Aussage wirklich?
Vertausche ein paar Wörter oder verändere die Aussage positiv, z. B. statt “Mich versteht niemand” -> “Es gibt immer jemanden der mich versteht”.
Als nächstes kannst Du Dir Szenarien überlegen, in der die positive Aussage stimmt und schauen ob diese in Deiner Realität Entsprechungen finden.

Folgende Aufstellung für hilfreiche Aussagen ist meine persönliche Auseinandersetzung mit dem Opfer-Thema. Sie sollen nur als Beispiel und Inspiration dienen.
Du kannst natürlich Deine eigenen Glaubenssätze formulieren und findest Deinen eigenen Weg!

Überwindung des Opfer-Themas / der Opferrolle

  • Ich spüre meinen Körper nicht –> Um meinen Körper zu spüren, achte ich auf meine Gefühle und nehme sie wahr
  • Ich spüre meine Grenzen nicht –> Meine Gefühle zeigen mir, ob eine Grenze verletzt wurde
  • Ich spüre nicht, wenn jemand meine Grenzen verletzt –> Ich achte auf meine Gefühle auch im Beisein von Anderen
  • Ich bin mit meinen Gefühlen & Gedanken immer erst beim Gegenüber statt erst bei mir –> Ich übe im Beisein von Anderen meine Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen
  • Ich habe immer Schuld –> Ich bin unschuldig
  • Ich habe es nicht anders verdient / Ich habe nichts besseres verdient –> Ich habe das Beste verdient
  • Ich verdiene keinen Respekt und Würdigung –> Ich respektiere und würdige mich selbst jeden Tag
  • Grenzen zu verteidigen, machtvoll und wütend zu sein ist schlecht –> Grenzen zu verteidigen, machtvoll und wütend sein, ist weder gut noch schlecht und ist von der Situation abhängig
  • Ich bin hilflos –> Ich kann mir selbst helfen
  • Ich muss alleine mit allem fertig werden –> Es gibt immer Menschen die mir helfen können
  • Ich bin allein –> Niemand ist allein
  • Mich versteht niemand und keiner kann mir helfen –> Es gibt immer Menschen, die in ähnlichen Situationen waren und Lösungen gefunden haben und mir dadurch helfen können
  • Ich bin machtlos –> Niemand ist machtlos
  • Meine Fehler sind unverzeichlich –> Fehler machen ist menschlich und ermöglicht Entwicklung
  • Ich bin selbst schuld, wenn sich jemand grenzverletzend mir gegenüber verhält –> Grenzverletzendes Verhalten liegt in der Verantwortung des Täters, nicht des Opfers

Außerdem habe ich festgestellt, dass dieses Thema nicht einfach verschwindet, nur weil ich mich ausgiebig damit auseinandergesetzt habe.
Ich erlebe immer wieder Situationen, in denen ich Grenzverletzungen wahrnehme (immerhin: ich nehme sie wahr!) und neu üben darf die Opferrolle zu überwinden.
Das ist manchmal ganz schön schwer und manchmal fällt es auf einmal ganz leicht.
So ist das Leben.
Es bringt Dir die Situationen, die Du brauchst um Dich weiter zu entwickeln 😉

 

Bildnachweis: pixabay | cocoparisienne

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